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Читать книгу: «Vinus und das Auge der Zyklopen: Die Abenteuer der Koboldbande (Band 4)», страница 3

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Die Geheimnisse der Stadt

Der Kobold war von dem Wirtshaus in den Tempel umgezogen und bewohnte jetzt ein geräumiges Zimmer neben den Gemächern der Königin. Das gefiel ihm schon besser. Die weitläufige Tempelanlage war das Erste, was er sich an diesem sonnigen Tag in aller Ruhe ansah. Dabei begleitete ihn Prinzessin Helena.

Im Garten stand zwischen einigen Bäumen und Sträuchern ein kleines Häuschen. Davor standen ein steinerner Tisch und eine steinerne Bank. Dort setzten sie sich hin und ließen sich von den Dienerinnen der Königin bewirten. Diese Dienerinnen waren ebenfalls Feen. Mit ihren langen weißen Gewändern schienen sie zu schweben und mit ihrem lieblichen Lächeln hatten sie wohl schon so manchen Gast des Tempels in ihren Bann gezogen.

Vinus beachtete sie kaum, denn er betrachtete immer wieder den Tisch und die Bank. Dann schüttelte der Kobold verwundert den Kopf. Er rückte sich seinen dreieckigen Hut zurecht und fragte schließlich die Prinzessin nach der Herkunft dieser sonderbaren Möbel.

Helena lachte, denn sie fand den Kobold einfach lustig. Dann beantwortete sie seine Frage. „Diese beiden Dinge stehen hier schon immer. Sie sind älter als die Stadt, denn sie stammen aus der Zeit der Erz-Elfen.“

Vinus war erstaunt. „Ach wirklich, von diesen Erz-Elfen habe ich schon in den Büchern meines Bruders Artur gelesen. Waren die nicht unsterblich?“

Helena nickte und zeigte mit einer Gabel auf die Bank. „Hier haben sie einst gesessen und genau wie wir gegessen und getrunken. Viele sagen, es wäre eine schöne Zeit gewesen. Doch ich habe im Archiv unseres Tempels die Schriften über diese Erz-Elfen gelesen und ich sage dir, sie haben sich gestritten und bekämpft. Es ging, wie immer, um Macht und Liebe. An dieser Zeit war nichts schöner oder gar besser als an unserer Zeit. Einige von ihnen waren mächtige Magier. Sie zeugten viele Nachkommen und zogen in zahlreiche Kriege. Am Ende haben sie sich dann gegenseitig vernichtet. Übrig geblieben sind nach den Kriegen nur noch einige ihrer Nachkommen. Das waren die Hoch-Elfen. Sie waren nicht mehr so mächtig und die meisten kannten auch nicht mehr das Geheimnis der Unsterblichkeit. Sieben weiße Männer dieser Hoch-Elfen überlebten alle Kriege. Sie wurden zu Zauberern und sollen sich in einem magischen Zirkel vereint haben. Keiner weiß noch, ob das wahr ist. Doch von den Hoch-Elfen stammen die weißen Elfen ab und auch wir, die weißen Feen. Viele nehmen an, dass wir unsterblich sind. Doch das stimmt nicht. Wir werden nur verdammt alt.“

Vinus zerteilte mit seinem Messer einen Apfel und gab eine Hälfte der Prinzessin. „Ich würde gern noch ein wenig mit dir durch die Stadt gehen und mich in ihrer Umgebung etwas umsehen. Möchtest du mitkommen, Helena.“

Die Prinzessin schüttelte den Kopf und ihr weißes, lockiges Haar flog durch die Luft. „Nein, das geht nicht. Ich muss nach meiner Mutter sehen. Bestimmt hat sie wieder eine Aufgabe für mich.“

Das verstand Vinus gut. „Ich weiß, du hast viele Pflichten zu erfüllen. Ich werde mich also allein auf den Weg machen. Bis zum Abend bin ich im Tempel zurück. Dann können wir ja noch einen guten Tropfen trinken.“

Helena lachte, doch ihre Augen verrieten dem Kobold ihre heimlichen Sorgen. Sie ließ den Kobold allein im Garten zurück. Kaum war sie gegangen, da rückte Vinus sich seinen Hut auf seinem Kopf zurecht und flüsterte vor sich hin. „Diese Feen denken wohl, sie können einen Kobold zum Narren halten. Selbst dieser Barbaron würde sie sofort durchschauen und erkennen, dass hier so einiges nicht stimmt. Jetzt sehe ich mir die Stadt an. Bestimmt finde ich einen Hinweis. Ich muss nur gründlich genug suchen.“

Der Kobold ging vom Tempel direkt zum Marktplatz. Dort boten die Händler an ihren Ständen die schönsten Waren an. Sie kamen von überall her und versuchten, sich beim Feilschen zu überbieten.

Vinus sah sich das bunte Treiben bis zum Mittag an. Er wollte schon in ein Wirtshaus gehen, um einen guten Braten und einen leckeren Wein zu bekommen. Doch kurz vor dem Wirtshaus sah er plötzlich zwei Gestalten unter der löchrigen Leinenplane eines Bauernkarrens verschwinden. Er traute beinah seinen Augen nicht, doch er erkannte den Obinarer und den blauen Gnom. Hatte der Fürst Silberhand diese beiden Diebe nicht eingesperrt? Zwei Steppenland-Elfen halfen ihnen sogar und setzen sich auf den Karren. Sie trieben die Pferde zur Eile an und verschwanden schnell zum Tor hinaus. Niemand hielt das Gespann auf.

Vinus sah sich um. Er stand genau vor dem Haus der Kriegergilde. Von diesem Haus aus führte der Fürst die Stadtwachen. Wer ihn suchte, der konnte ihn meist hier finden. Doch warum verhalfen seine Krieger den beiden Dieben zur Flucht?

Der Kobold ging zum Tempel zurück und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Die Wachen ließen ihn ungehindert hinein. Er kam bis zum großen Saal. Dort sah er Helena. Er wollte sie schon ansprechen, doch sie ging in den Flur zu den Schreibstuben. Vinus folgte ihr und holte sie an der Tür zum großen Archiv des Tempels ein.

Die Prinzessin war sichtlich erschrocken, als sie den Kobold sah. „Was machst du denn hier? Ich dachte, wir wollten uns erst heute Abend treffen? Ist dein Durst so groß, dass du jetzt schon mit mir einen Becher Wein trinken willst?“

Vinus sah sie verärgert an und hielt sie am Ärmel ihres Kleides fest. „Lass den Quatsch, ich bin jetzt nicht für deine Scherze zu haben. Wir beide werden uns gleich unterhalten und du wirst mir erklären, was in eurer Stadt los ist.“

Mit einem Wink ließ Vinus die Tür zum Archiv aufgehen und er schob die Prinzessin hinein. Er schloss die Tür hinter sich und sah sich um. Helena ging zu einem Tisch und setzte sich. Der Kobold nahm ihr gegenüber Platz und fragte sie mit einem strengen Ton in seiner Stimme. „Also, meine liebe Prinzessin, was hast du mir zu sagen?“

Helena sah den Kobold mit einem verlegenen Blick an und seufzte. „Na gut, du wirst es ja früher oder später doch erfahren. Meine Mutter kann die Aura der Stadt nicht mehr lange aufrechterhalten. Die Steppenland-Elfen können das spüren. Sie werden sich bald gegen uns auflehnen und dann wird es zum Kampf kommen. Wir haben Boten zum Fürsten der dreiäugigen Riesen geschickt und ihn um Hilfe gebeten. Er heißt Taurus und er war uns bis jetzt immer ein guter Verbündeter. Einige Wachen an den Toren der Stadt und vor dem Tempel sind Riesen. Sie werden von Prinz Artem geführt, dem Sohn von Taurus. Artem lässt sich von Fürst Silberhand nicht viel sagen. Deshalb gab es schon einigen Streit und meine Mutter musste ihn immer wieder schlichten. Außerdem ist Artem gerade nicht in der Stadt, denn viele Riesen gehen im Herbst auf die Bärenjagd. Mehr kann ich dir jetzt nicht sagen.“

Vinus Augenbrauen zogen sich eng zusammen und auf seiner Stirn waren deutlich einige Zornesfalten zu erkennen. Er stützte sich auf den Tisch auf und rief. „Oh doch, du kannst mir bestimmt noch mehr sagen! Ich würde gern wissen, warum die Krieger von Fürst Silberhand die beiden Diebe heute mit einem alten Bauernkarren aus der Stadt geschmuggelt haben! Die Kerle haben sich unter einem Fetzen aus Leinenplane versteckt und zwei Elfen haben sie aus der Stadt kutschiert!“

Erschrocken hielt Helena Vinus ihre Hände vor dessen Mund. „Pst, jetzt schrei doch nicht so laut. Man kann dich ja im ganzen Tempel hören. Sprich leise mit mir, ich bitte dich.“

Vinus drückte ihre Hände weg. „Na gut dann spreche ich eben etwas leiser. Aber meine Fragen wirst du mir trotzdem beantworten. Oder ich hole mir den Becher des Schöpfers von deiner Mutter zurück. Das ist für mich eine Kleinigkeit. Wenn du das nicht willst, dann beantworte mir meine Fragen.“

Helena nickte und sah vor sich hin auf den Fußboden. „Meine Mutter hatte mit dem Fürsten Silberhand vor einiger Zeit einen Streit. Es ging um einen Schlüssel. Er muss etwas ganz Besonderes sein. Mit ihm kann man den Wächter des Auges der Zyklopen kontrollieren. Ohne diesen Schlüssel lässt er niemanden an diese heilige Tafel heran. Der Fürst denkt wohl aus irgendeinem Grund, dass ihm der Schlüssel zusteht. Deshalb hat er bestimmt die beiden Diebe selbst beauftragt, im Tempel einzubrechen und den Schlüssel zu holen. Meine Mutter kann das natürlich nicht beweisen, aber sie vermutet es.“

Vinus kratzte sich am Kopf. „Wie sieht er denn aus, dieser Schlüssel für euren Wächter? Und was für einen Wächter habt ihr überhaupt?“

Helena zuckte mit den Schultern. „Das kann ich dir nicht sagen. Meine Mutter geht immer allein zu ihm. Außer ihr kann niemand durch die große Tür am Ende der Grotte gehen.“

Vinus schüttelte den Kopf. „Jetzt bin ich nicht viel schlauer als zuvor. Doch das Eine sage ich dir. Ich werde euch Feen, Elfen und Riesen im Auge behalten. Sollte ich feststellen, dass ihr mich hintergangen habt, dann werde ich mich an meine Brüder und meine Freunde wenden. Einen meiner Freunde kennt deine Mutter bestimmt noch. Er heißt Albanarius und ist ein Zirkelmagier.“

Vinus sah Helena in die Augen und er konnte an ihrem offenen Mund ihr Erstaunen erkennen. „Lass den Mund nicht so lang offen stehen, Prinzessin. Mit trockener Zunge kann man schlecht sprechen.“

Der Kobold ließ die Prinzessin allein im Archiv zurück. Er wollte in ein Wirtshaus gehen, denn jetzt hatte er großen Durst.

Das Haus des Meisters

Der Wind trieb auf der Straße das Laub vor sich her, als Orbin am Nachmittag des nächsten Tages durch das Stadttor von Bochea schritt. Er hatte sich als Kräutersammler bei den Stadtwachen ausgegeben und war ohne viele Worte in die Stadt hineingelassen worden. Jetzt suchte er ein unscheinbares Wirtshaus. Dort wollte er sich ein Zimmer nehmen und sich dann ein wenig in der Stadt umsehen. Doch die meisten Wirtshäuser waren mit Gästen überfüllt und Orbins Suche dauerte bis zum Abend. In einer stillen Gasse fand er eine alte abgelegene Herberge. In ihr bekam er vom Wirt für einige Kupfermünzen etwas zu essen und eine winzige Kammer.

Orbin setzte sich in die dunkle Schankstube und aß eine Rübensuppe mit Speck und ein Stück Brot. Mit einem Krug Bier spülte er das Essen herunter. Dann sah sich dann um. Zwei Bauern aus der Umgebung von Bochea saßen mit am Tisch und unterhielten sich über ihre Felder. Das interessierte Orbin nicht weiter. Erst als der eine Bauer den anderen fragte, was in der vorletzten Nacht für eine Aufregung im Tempel gewesen sei, wurde Orbin neugierig. So erfuhr er, was sich zugetragen hatte, ohne jemanden durch eine Frage auf sich aufmerksam zu machen.

Die Bauern tranken ihre Krüge lehr und ließen den Hexenmeister allein am Tisch. Doch das störte Orbin nicht, denn jetzt bekam er das Gespräch zweier Händler aus der Stadt mit. Sie saßen am Nachbartisch und unterhielten sich über ein altes Haus in der Nähe des Stadttores. Dort sollte es Geister geben und die Seele eines Toten würde im Haus umherwandern. In der Nacht sollte es ein unerklärliches Licht geben. Am merkwürdigsten fanden jedoch die beiden Händler, dass die Dachziegel völlig mit Moos überwuchert waren. Dadurch wäre es das einzige Haus mit einem grünen Dach. Dort sollte man sogar die Aura der Stadt deutlich spüren können.

Die Händler tranken ihre Bierkrüge aus und wollten gerade gehen, da flog die Tür auf und drei Krieger der Stadtwache kamen mit Fackeln in den Händen herein. Sie sahen sich jeden Gast genau an.

In seinem linken Ärmel hielt Orbin den Zauberstab verborgen. Gespannt wartete er, bis einer der Krieger ihn mit seiner Fackel ins Gesicht leuchtete und ihn ziemlich unfreundlich ansprach. „Na, wer bist du denn, du stinkst ja fürchterlich.“

Orbin war von diesen Worten nicht sehr beeindruckt. Mit funkelnden Augen sah er den Krieger an und seine dunkle Stimme war deutlich zu hören. „Ich bin nur ein alter Kräutersammler. Ich will morgen auf dem Markt meine Kräuter verkaufen.“

Der Krieger machte ein finsteres Gesicht. „So, so, du willst morgen zum Markt. Wo hast du denn deine Ware gelassen? Die hätte ich gern mal gesehen.“

Orbin zeigte mit der linken Hand zum Wirt und wollte dem Krieger erklären, dass er hier ein Zimmer in der Herberge hatte und sich dort sein Sack mit den Kräutern befinden würde. Doch der Krieger achtete nur auf den Zauberstab, der Orbin aus seinem Ärmel rutschte und auf den Boden fiel. Sofort wollte er sich auf diesen Zauberstab stürzen und ihn an sich bringen, doch Orbin war schneller. Er stieß den Krieger weg und hatte mit einer Handbewegung seinen Zauberstab in der rechten Hand.

Wütend stand der Krieger auf und zog sein Schwert. „Das wirst du bereuen! Ich lasse dich in den Kerker der Stadt werfen!“ Er wollte Orbin mit der Waffe bedrohen, doch der Hexenmeister wich geschickt aus und brachte den Krieger mit seinen Zauberkünsten erneut zu Fall. Dann stieß er die beiden anderen Krieger um und rannte aus der Herberge heraus.

Die Wachen standen wieder auf und liefen dem Hexenmeister schreiend hinterher. Eine wilde Jagd begann und immer mehr Wachen schlossen sich ihr an. Orbin wusste bald nicht mehr, wohin er sich wenden sollte. In seiner Verzweiflung wollte er schon versuchen, die Stadt zu verlassen, da führte ihn seine Flucht zu einem alten Haus mit einem grünen Moosdach. Die Tür stand offen und da die Wachen hinter ihm her waren, rannte er einfach hinein. Mit einem Krachen fiel die Tür hinter ihm zu und ein schwaches Licht erleuchtete den Raum.

Orbins Augen brauchten einen Moment, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Er sah sich um und suchte nach einem Versteck, doch eine seltsame Stimme sprach aus dem scheinbaren Nichts zu ihm. „Du brauchst dich nicht zu fürchten. Die Elfen, die dich verfolgten, sind weitergelaufen. Bald werden sie merken, dass ihre Jagd vergebens war.“

Orbin sah sich um und erhellte mit seinem Zauberstab den Raum. Eine Lichtgestalt wurde jetzt sichtbar. Sie kam dem Hexer irgendwie bekannt vor, doch seine Erinnerungen waren noch immer sehr lückenhaft.

Leise flüsterte der Hexenmeister der Gestalt zu. „Sag mir, wer du bist. Ich habe dich schon einmal gesehen, aber ich kann mich nicht mehr an dich erinnern.“

Doch die Lichtgestalt sprach nicht weiter. Sie verschwand und eine andere Gestalt kam aus der Dunkelheit hervor. Es war Vinus und er hielt einen kleinen Feuerball zwischen seinen Händen. „Ich nehme mal an, dass du ein schwarzer Hexenmeister bist. Ich habe dich schon am Nachmittag in der Stadt bemerkt und gleich gewusst, dass mit dir etwas nicht stimmt. Deshalb habe ich dir die drei Wachen in die Herberge geschickt. Sie sollten dich gefangen nehmen, doch du bist ihnen entkommen und dann hat die seltsame Seele, die in diesem Haus herumwandert, dich und mich hereingelassen, damit du den Elfen entkommen kannst.“

Orbin sah zu dem Kobold und der Feuerkugel und er versuchte zu leugnen. „Das siehst du völlig falsch, du kleiner Zauberer. Ich bin nur ein Kräutersammler. Die Wachen haben sich geirrt. Lass mich gehen und ich werde die Stadt verlassen. Das verspreche ich dir.“

Die Lichtgestalt kam wieder zum Vorschein und sprach zum Hexenmeister. „Nein, du kannst jetzt nicht gehen. Nach all den Jahren bist du zu mir zurückgekehrt. Du musst mir helfen und mich erlösen.“

Die Seele schwebte jetzt dicht vor Orbins Gesicht und nahm die Gestalt eines Magiers an. Sie nickte Orbin zu und verschwand. Völlig verwirrt starrte der Hexenmeister vor sich hin und der Kobold ließ seinen Feuerball verschwinden. Er merkte immer deutlicher, dass dieser eigenartige Kerl nicht wirklich gefährlich war und er berührte ihn am Arm. „Wer bist du, sag mir deinen Namen.“

Der Hexenmeister schaute Vinus an und irgendetwas in ihm meinte wohl, das er dem Kobold trauen konnte. Seine Stimme klang brüchig, als er antwortete. „Ich bin Orbin, ein Diener des Dämonicon. Wenn ich ihn verrate, so wird mich das Halsband, das ich von ihm bekommen habe, geradewegs zu ihm zurückbringen und er wird mich vernichten. So hat er es mir gesagt.“

Vinus entzündete eine Kerze. „Das glaube ich nicht. Die Macht der Feen herrscht hier in der Stadt und die Aura ihrer Königin würde das niemals zulassen.“

Orbin schüttelte den Kopf. „Nein, du kennst die Macht dieses schwarzen Herrn nicht. Er ist der Sohn eines Dämonenfürsten. Ich habe dir sicher schon zu viel gesagt und ich werde bestimmt gleich verschwinden.“

Mit Angst in den Augen drehte sich der Hexenmeister in jede Richtung. Aber es geschah nichts. Vinus stellte die Kerze auf einen Tisch und zog Orbin zu einem Stuhl. Er wischte den Staub von ihm und bat den Hexer, sich zu setzen. „Jetzt mach schon, ich will mir dein Halsband mal ansehen. Doch du bist verdammt groß. Wenn ich kann, werde ich dich von diesem Ding befreien.“

Orbin setzte sich und ließ den Kobold sein Halsband betrachten. „Na mal sehen, das Leder sieht sehr nach gegerbter Trollhaut aus. Die Zeichen darauf sind mit schwarzer Magie versehen. Doch sie haben tatsächlich keine Wirkung. Es ist so, wie ich es vermutet habe. Die Aura, die über der Stadt liegt, verhindert die Ausführung von schwarzer Magie.“

Mit einem Zauberspruch öffnete Vinus den Verschluss des Halsbandes. Er steckte es in einen Leinenbeutel und knotete diesen zu. Dann belegte er den Beutel mit einem Bannspruch und warf ihn auf den Tisch. Triumphierend sah er zu Orbin. Der war aufgestanden und reckte sich. Er rieb sich den Hals mit beiden Händen und nickte. Dann betrachtete er seinen Zauberstab.

Erstaunt drehte und wendete er ihn hin und her. „Das ist nicht zu fassen. Der Kristall meines Zauberstabs leuchtet hell. Das bedeutet für mich, dass ich die weiße Magie wieder benutzen kann.“

Orbin sah zu Vinus und schaute dann seine Kleidung an. Er trug jetzt die Tracht eines weißen Zauberschülers. Wie kleine Blitze schossen die Erinnerungen in seinen Kopf und er lächelte mit einem Mal Vinus zu. Dann sprach er mit sanfter Stimme. „Noch ist die Macht, die Dämonicon über mich hat, nicht ganz gebrochen. Doch ich bin mir sicher, dass wir das richtige Mittel hier im Haus meines alten Freundes Meerland finden. Er war einst mein Meister. Die Erinnerungen von besseren Tagen kehren zu mir zurück. Ich muss mich nur auf die Dinge konzentrieren, die ich hier finde, dann werde ich bald wissen, wer ich einst war.“

Vinus rieb sich die Hände. „Das ist ja toll. Ich kam in die Stadt, um der Königin einen heiligen Becher zu bringen und du solltest bestimmt im Auftrag des Dämonicon das Auge der Zyklopen stehlen, was ich natürlich verhindern wollte. Doch jetzt bin ich hier in einem alten Haus und suche etwas, von dem ich nicht einmal weiß, was es ist. Und ich suche es mit jemandem, der nicht genau weiß, wer er ist. Also, worauf warten wir? Arbeit ist hier bestimmt genug zu finden und außerdem spüre ich, dass noch etwas in dir ist, was nicht zu dir gehört.“

Orbin zuckte mit den Schultern. Dieser Kobold redete entschieden zu viel. Er nahm die Kerze und ging zu einem Schrank. Den sah er sich genau an. Eine Erinnerung war plötzlich in seinem Kopf. Orbin öffnete den Schrank und machte ihn wieder zu. Dann öffnete er ihn wieder.

Er sah zu Vinus und winkte ihm zu. „Komm her, ich weiß jetzt wieder, wie ich früher in die geheime Schreibstube meines Meisters kommen konnte. Dieser Schrank ist so etwas wie eine Tür für die Stube dahinter.“

Vinus stellte sich nur ungern mit Orbin in den Schrank. Doch der Hexenmeister sagte die Wahrheit. Kaum schloss sich die Schranktür, da verschob sich die Schrankwand und eine völlig verstaubte Schreibstube wurde sichtbar. Auf dem Lesepult eines großen Schreibtisches lag ein dickes Buch von beträchtlicher Größe. Orbin stellte die Kerze in einen Halter neben dem Buch und öffnete es. Im Schein der Kerze war die Schrift gut zu erkennen.

Vinus Neugierde hatte schon längst gesiegt und er hielt es vor Aufregung kaum noch aus. „Was steht in dem Buch geschrieben, Orbin? Kannst du es lesen, oder soll ich es mal versuchen?“

Orbin klopfte dem Kobold auf die Schulter. „Bleib ruhig, ich lese vor und wir werden gemeinsam erfahren, was darin geschrieben steht.“ Er strich die erste Seite glatt und begann. „Dies ist das Buch des weißen Magiers Meerland. In ihm sind die Erlebnisse seiner Wanderungen und die Ausbildung seiner Schüler von ihm selbst aufgeschrieben worden.“

Ein helles Licht unterbrach ihn. Meerlands Seele erschien wieder und sie flüsterte den beiden sogleich etwas zu. „Das ist das richtige Buch. Doch nur die letzten Seiten sind wichtig.“

Orbin blätterte in dem Buch herum und fand eine Zeichnung. Sie stellte die heilige Altartafel und den Becher des Schöpfers dar. Daneben stand etwas geschrieben. Orbin las es vor. „Der heilige Bund mit dem Schöpfer ist zerbrochen. Seine Gaben sind entweiht. Nur wenn der Becher mit der Tafel während des Rituals des Schöpfers vereint wird, kann die Aura neue Kraft gewinnen.“

Orbin blätterte die Seite um und las weiter. „Das Gleichgewicht der Magie ist ins Wanken geraten. Die Hüter der heiligen Gaben wurden für ihren Frevel hart bestraft. Ihre Feinde haben über sie triumphiert. Doch auch ihr Preis war hoch. Nur die Feen und die Zauberer können noch helfen. Ich setze mein Vertrauen in die Kraft meines Schülers Orbin. Er sprach von einem neuen Zirkel, dem er beitreten wollte. Doch zuerst muss er ein Meister werden.“

Über dem Hexenmeister und dem Kobold schwebte Meerlands Seele. Leise sprach sie zu den beiden. „Hört gut zu, meine Freunde. Als der Priester Damian vor langer Zeit seinen König erschlug und selbst blind und einsam in der Steppe starb, war die Liebe des Schöpfers für das Volk der Zyklopen erloschen. Doch nichts ist für die Ewigkeit. Eines Tages wird die Liebe zu ihm zurückkehren und das Volk der Zyklopen wird die Fesseln der Sklaverei verlieren.“

Orbin schaute zu Meerlands Seele auf. „Meister, ich kann mich an so viele Ereignisse in meinem Leben nicht mehr erinnern. Wenn wir dir helfen sollen, dann musst du uns verraten, wie wir das anstellen müssen. Ich weiß nicht, wie ich die Seele eines Meisters der alten Hoch-Elfen erlösen kann.“

Meerlands Seele leuchtete hell auf, als sie rief. „Das ist nicht weiter schwierig. Doch zuerst will ich dir und deinem kleinen Freund noch etwas über mich erzählen. Dann wirst du verstehen, warum ich als Lichtgestalt an diesen Ort gebunden bin und noch nicht in das Seelenreich der Hoch-Elfen gelangen konnte.“

Orbin setzte sich auf den Sessel, der hinter dem Schreibtisch stand und seufzte. „In meinem Kopf drehen sich die Gedanken, ich weiß bald nicht mehr, was ich noch alles wieder lernen muss. Aber bitte, Meister Meerland, wenn es uns hilft, dann erzähle uns von dir.“

Die Seele Meerlands schwebte dicht über dem Schreibtisch. Beinah sah es so aus, als wollte sie sich setzen. „Also dann hört mir gut zu. Vor vielen Tausend Jahren erschuf der Schöpfer die Erz-Elfen. Sie waren die Reinsten und Edelsten aller Geschöpfe. Sie waren über alle Maßen klug und schön wie das Licht der Sonne, wenn es sich im Morgentau widerspiegelt. Viele Jahrhunderte lebten sie glücklich den Traum der Unsterblichkeit. Doch eines Tages zerbrach dieser Traum. Albaron, der König der Erz-Elfen, verlor durch einen schrecklichen Unfall bei einer Hirschjagd seinen einzigen Sohn Elion. Er gab seinem Jagdmeister Zassan die Schuld und aus Rache verbot er ihm noch am selben Tag, seine Tochter, Prinzessin Lianda im heiligen Pantheon des Schöpfers zur Frau zu nehmen.“

„Das kann nicht stimmen“, unterbrach der Kobold die Lichtgestalt. „In den Büchern meines Bruders Artur steht geschrieben, dass Lianda die Schwester von Albaron war.“

„Ach ja, das stimmt“, erklärte Meerlands Seele. „Doch Zassan liebte die Schwester des Königs so sehr, dass er sie entführte und mit seiner ganzen Sippe weit weg in ein abgelegenes Tal des Drachengebirges zog. Dort lebten sie verborgen vor den Häschern des Königs. Da Zassan und seine Sippe nicht mehr im Pantheon beten und heiraten konnten, brachten alle ihre Frauen nur noch Hoch-Elfen zur Welt. Diese Hoch-Elfen hatten ein sehr langes Leben, doch ihnen fehlte der Segen des Schöpfers. Nur der Oberste Priester im Pantheon konnte diesen Segen im Namen des Schöpfers aussprechen und er war nur für die Erz-Elfen bestimmt. Die Nachkommen der Hoch-Elfen wurden deshalb nur noch weiße Elfen. Da auch ihnen der Segen des Schöpfers fehlte, war ihre Lebensspanne noch kürzer. Schon viele Elfen versuchten deshalb, die Schattenseite der Magie zu nutzen, um ihre Lebensenergie zu stärken. Doch der Weg von der dunklen zur schwarzen Magie ist sehr kurz. Oft ist die Grenze fließend und man bemerkt nicht den Irrtum, den man gerade beging.“

Meerland schaute traurig zu Orbin und Vinus. Dann seufzte er. „Ach nein, ich schweife ja von dem ab, was ich euch eigentlich erzählen wollte. Also, der König der Erz-Elfen ließ überall nach Zassan und seiner Sippe suchen. Doch das Tal lag weit weg und die Erz-Elfen hatten schnell andere Sorgen. Denn des Königs Bruder, Prinz Leanderich, wollte selbst König sein. Da die Schar seiner Anhänger groß war, forderte Leanderich Albaron heraus. So kam es zum ersten Elfenkrieg. Albaron besiegte Leanderich und hielt ihn in einem Turm gefangen. Seinen Bruder töten, das wollte der König nicht, denn das war gegen die Gesetze, die er selbst erlassen hatte. Aber da er befürchtete, das Leanderich von seinen Freunden befreit würde, betete Albaron im Pantheon. Er bat den Schöpfer, ihm sichere Wachen zu schicken, denn wenn Leanderich entfliehen konnte, so würde der nächste Krieg nicht lange auf sich warten lassen. Noch am selben Tag schickte der Schöpfer die Drachen. Sie sollten von nun an den Frieden bewahren. Doch Leanderich war listig. Es sang die Drachen in den Schlaf und entkam. Nach langer Suche fand er Zassan und seine Sippe. Mit ihnen wollte er in Frieden leben und nie wieder gegen seinen Bruder in den Krieg ziehen.“

Orbin wurde jetzt ungeduldig. Er lehnte sich im Sessel zurück und zog die Luft hörbar durch seine Nase ein. Dann unterbrach er Meerland. „Meister, was ist an dieser Geschichte denn so wichtig? Das hat doch alles nichts mit mir zu tun. Zu dieser Zeit kann ich noch nicht gelebt haben, denn ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern.“

Meerland leuchtete jetzt hell auf. Das war ein sicheres Zeichen für den Zorn, der in ihm aufstieg. „Du kannst dich wohl überhaupt nicht mehr an deine Kindheit erinnern? Doch damit du es weißt. Du bist Leanderichs einziger Sohn und König Albaron war dein Onkel!“

Orbin saß für einen kurzen Augenblick mit offenem Mund steif im Sessel und wurde immer blasser. Dann schüttelte er den Kopf und seinem Mund entfuhr wie von selbst eine Frage. „Wenn das wahr ist, wieso kann ich mich dann nicht daran erinnern?“

Meerland wiegte seinen Kopf hin und her. Dann sprach er weiter. „Du warst gerade erst drei Jahre alt, da fanden Albarons Krieger mitten im Winter die Spur eines unvorsichtigen Jägers aus Zassans Sippe. Sie meldeten Albaron sofort, wo sich sein Bruder und dessen Freunde befanden. Mitten in der Nacht ließ Albaron das Lager seines Bruders angreifen. Ich selbst war ein Jüngling von fünfzehn Jahren. Deine Schwester und dich konnten Zassan und ich gerade noch in Sicherheit bringen. Doch dein Vater und deine Mutter fielen im Kampf. Ich brachte euch in die Wälder und ließ dich und deine Schwester von den Zwergen großziehen.“

Orbin war aufgestanden. Er sah die Lichtgestalt vor sich an und konnte kaum glauben, was er da hörte. „Du sagst, ich habe eine Schwester? Wer ist sie und ist sie überhaupt noch am Leben?“

Meerland grinste, als er antwortete. „Jetzt kommt der beste Teil deines einstigen Lebens. Deine Schwester ist die Feenkönigin Theodora und mein eigener Vater ist Zassan, der einstige Jagdmeister von Albaron. Da meine Mutter des Königs Schwester ist, ist dieser auch mein Onkel. Deine Schwester, du und ich, wir sind vom selben königlichen Blut.“

Vinus mischte sich jetzt ein. „Ich kenne mich mit diesen alten Legenden der Erz-Elfen nicht so aus. Was ist aus dem König geworden? Für gewöhnlich seid ihr Elfen doch alle sehr auf Rache aus. Sie ist ein Teil eurer Gesetze.“

„Das ist richtig“, stimmte Meerland dem Kobold zu. „Wir haben uns auch gerächt. Mein Vater Zassan erklärte mir die Regeln der Magie. Er erkannte schnell, dass alle Hoch-Elfen für die weiße Magie sehr begabt waren. Die Sippen der Erz-Elfen, die Albaron hassten, verbündeten sich mit meinem Vater und schon dreißig Jahre später gab es mehr Hoch-Elfen als Albaron zählen konnte. Der Zorn des Königs wuchs unaufhörlich und er befahl den Drachen, zusammen mit seinem Heer in den Krieg zu ziehen. Doch die Drachen weigerten sich. Sie rieten Albaron von seinem Vorhaben ab und zogen sich in die Berge zurück. Aber dadurch fühlte sich der König nur noch mehr verraten. An der Spitze seines Heeres zog er in die Schlacht. In dieser Schlacht traf er auf meinen Vater. Sie waren beide von Hass und Rache getrieben und sie ahnten wohl, dass die Zeit der Erz-Elfen vorbei war. Am Ende dieses furchtbaren Tages suchte ich das Schlachtfeld nach Ihnen ab. Mein Vater und der König Albaron lagen tot neben ihren Pferden. Der König hatte seinem einstigen Jagdmeister sein Schwert in die Brust gerammt und mein Vater hatte ihm mit seiner Jagdlanze aufgespießt. Ich werde diesen Anblick niemals vergessen. Die überlebenden Hoch-Elfen suchten überall, doch sie fanden keinen einzigen lebenden Erz-Elfen mehr. Albaron hatte sogar die Frauen und die Kinder mit in die Schlacht genommen und mein Vater hatte es ebenso getan. An diesem Tag gab es keine Sieger.“

Orbin stöhnte auf. Seine Erinnerungen versuchten, mit aller Macht wiederzukommen. Doch etwas blockierte sie offenbar. Zitternd stand er vor dem Tisch und er drückte seine Hände gegen seine Schläfen. „Vinus hilf mir. Da ist etwas in meinem Kopf. Ich habe Schmerzen … ich habe … ich … äh …“

Orbin verlor das Bewusstsein und brach zusammen. Der Kobold hatte Mühe ihn aufzufangen. Er legte ihn auf den Fußboden und sah eine kleine schwarze Rauchwolke aufsteigen. Sie verschwand sehr schnell, denn die Aura der Feenkönigin ließ keine schwarzen Geister in der Stadt zu.

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Дата выхода на Литрес:
22 декабря 2023
Объем:
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ISBN:
9783960083016
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