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4.

Die „Isabella IX.“, die „Caribian Queen“ und der Schwarze Segler liefen in die Cherokee-Bucht ein. Jetzt war der Teufel los. Es wurde gepfiffen und gejohlt, und die Männer an Bord der Schiffe und an Land warfen ihre Hüte und Mützen hoch. Man begrüßte sich mit schmetternden „Arwenack“-Rufen, und auch die Frauen lachten und winkten. Sie schienen alle völlig aus dem Häuschen zu sein.

Smoky kippte um ein Haar über das Schanzkleid der „Isabella“ ins Wasser, als er seine Gunnhild mit Klein David auf dem Arm entdeckte. Kaum anders erging es dem Wikinger. Er röhrte noch etwas lauter als Carberry kurz zuvor, und er wackelte dabei so wild und heftig mit dem Kopf, daß der Kupferhelm ein paarmal herunterzufallen drohte.

Als dann die „Isabella“, die „Caribian Queen“ und „Eiliger Drache“ bei den vier anderen Seglern ankerten, blieb der Seewolf am Strand stehen und betrachtete sie in aller Zufriedenheit.

„Ja, das ist ein feines, geschütztes Plätzchen, Freunde“, sagte er, „von der Idylle ganz abgesehen.“

„Handige Bucht“, brummte auch der Profos. „Aber was sollte das ganze Theater? Mußtet ihr wirklich so tun, als ob ihr nicht hier wäret?“

„Das hatte seinen Sinn und Zweck“, entgegnete Jean Ribault.

„Natürlich“, sagte Hasard. „Die Tatsache, daß wir eure Schiffe nicht gleich entdeckt haben, ist der beste Beweis dafür, wie sicher die Bucht ist.“

„Wie wär’s denn, wenn wir unseren neuen Stützpunkt hier einrichten?“ fragte Dan.

„Darüber wollten wir mit euch diskutieren“, entgegnete Jean Ribault.

„Das werden wir tun“, sagte der Seewolf. „Nachher, am Lagerfeuer. Aber jetzt spannt uns nicht länger auf die Folter. Was gibt es Neues? Wo sind die algerischen Piraten?“

„Mubaraks wilde Horde?“ Don Juan, der inzwischen ebenfalls erschienen war, sah Hasard ernst an. „Die Kerle waren wirklich noch hier. Sie versuchten, die ‚Wappen‘ und die ‚Pommern‘ von der Seeseite mit Flößen anzugreifen, aber da tauchten wir auf.“

„Hat es einen Kampf gegeben?“ fragte Hasard.

„Klar“, erwiderte Old O’Flynn. „Die Alis waren total verrückt. Es muß an dem langen Inselaufenthalt gelegen haben. Jedenfalls nahmen sie mit ihren Flößen Kurs auf uns. Na, und wir haben es ihnen mit den Drehbassen besorgt.“

„Und den Rest haben die Haie erledigt“, fügte O’Brien hinzu.

„Das müßt ihr uns heute abend noch ausführlich berichten“, sagte der Seewolf. „Unsere Befürchtung, daß sie sich noch hier befinden könnten, war also gerechtfertigt.“

„Zehn Monate haben sie hier festgesessen“, sagte Renke Eggens. „Aber die Sonne hatte nicht nur ihre Gesichter verbrannt. Sie muß sie auch um den Verstand gebracht haben. Wie konnten sie es wagen, uns nahezu unbewaffnet anzugreifen?“

„Das war Mut“, sagte Old O’Flynn. „Sie haben alles auf eine Karte gesetzt.“

„Trotzdem haben sie es falsch angepackt“, sagte Jean Ribault. „Sie hätten sich als Schiffbrüchige ausgeben sollen.“

„Das haben sie ja getan“, sagte O’Brien. „Der eine hüpfte wie ein Irrer am Strand herum. Aber wir haben ihn durchschaut. Weil Renke sich rechtzeitig genug daran erinnert hat, was hier im letzten Jahr vorgefallen war.“

„Hallo, Mary!“ rief Dan plötzlich. Er winkte zur „Empress“ hinüber. „Wie geht’s denn so?“

„Ich bin bester Dinge!“ rief Mary. „Und guter Hoffnung für eure Sippe!“

„Wie soll ich das denn verstehen?“

„So, wie ich’s gesagt habe!“ rief sie und lachte amüsiert, als sie sein Gesicht sah.

„Augenblick mal, Miß Snugglemouse!“ schrie Old O’Flynn. „Das wollte ich doch – schön langsam und deutlich, meine ich – äh, erklären!“

„Fängst du schon wieder an?“ stieß sie drohend hervor. „Nimm dich ja in acht, Mister O’Flynn! Ich bin ganz schön nervös!“

Old O’Flynn schnappte nach Luft. Dan wandte den Kopf und sah seinen Alten völlig entgeistert an.

„Sag mal!“ stieß er hervor. „Ist das dein Ernst?“

„Mach’ ich vielleicht Witze?“ fragte Old O’Flynn unwirsch zurück.

„Das kann nicht sein“, sagte Dan. Er mußte sich erst mal hinsetzen und ließ sich einfach in den Sand sinken.

„Sei doch froh“, sagte Carberry grinsend. „Es gibt wieder Nachwuchs. Donnerwetter, Donegal, das hätte ich dir gar nicht zugetraut.“

Der Alte legte den Kopf ein wenig schief und musterte den Profos grimmig. „Wie meinst du das, Mister Carberry!“

„So, wie ich’s sage. Eine tolle Überraschung!“

„Wirklich toll“, pflichtete Hasard ihm bei. Dann drückte er dem Alten kräftig die Hand. „Meinen Glückwunsch, Donegal.“

„Langsam, langsam“, sagte der verlegen. „Noch ist ja nichts da. Wird wohl auch noch ’ne Weile dauern. Äh, sieben Monate, schätze ich.“

„Mann, Mann“, sagte Dan. Er war immer noch erschüttert. „Da ist man mal ein paar Tage weg, und schon passiert so was. Ein Ding ist das! Ein schwerer Hammer!“

„Ach was!“ rief Carberry. „Es ist das beste Stück, das Old Donegal seit langem zustande gebracht hat, sage ich! He!“ Er winkte zur „Isabella“, zur „Caribian Queen“ und zum Schwarzen Segler hinüber. „Habt ihr das gehört? Mary wird Mutter! Und Donegal Vater!“

Die Kunde wurde mit Pfeifen, Johlen und Gebrüll quittiert. Hasard schüttelte nur lächelnd den Kopf und trat mit Jean Ribault und Don Juan ein wenig zur Seite.

„Erstaunlich“, sagte er. „Das hätte ich kaum für möglich gehalten.“

„Ja, unser alter Poltergeist steckt nun mal voller Überraschungen“, sagte Jean Ribault.

Dan teilte die allgemeine Freude weniger. Er war immer noch ziemlich schockiert. Am liebsten hätte er sich die Haare gerauft. Ja, es stimmte: Sein „Alter“ war für jede Art von Überraschung gut. Daß er „was Kleines“ auf Stapel legen würde, hätte Dan nun wahrhaftig nicht erwartet.

Er rappelte sich auf und musterte den Alten fassungslos. „Träum’ ich oder spinn’ ich?“

„Hör auf“, sagte Old O’Flynn brummig. „Übertreib’s nicht. Du hast nun gehört, was los ist, und damit hat sich der Fall.“ Frostig fügte er hinzu: „Wenn du nicht für Nachwuchs sorgst, muß ich das eben tun, klar? Schließlich muß die Sippe der O’Flynns vor dem Aussterben bewahrt werden.“

„Ach, deswegen ist die gute Mary schwanger?“ fragte Dan entgeistert.

„Weswegen denn wohl sonst?“

Dan gab es auf, weiter mit ihm herumzudebattieren. Es hatte keinen Sinn. Der Alte mußte immer das letzte Wort haben, auch wenn seine Argumente einem die Stiefel auszogen. Dagegen war kein Kraut gewachsen. Aber Dan brauchte eine gute Stunde, um die Nachricht zu verdauen.

Es wurde allmählich dunkel. Am Strand wurde ein großes Feuer entfacht. Das Backen und Banken fand noch an Bord der Schiffe statt, aber dann begaben sich die Crews mit den Jollen an Land, und alle versammelten sich um das Lagerfeuer.

Hasard hatte zwei Fässer Wein aus den Vorräten der „Isabella“ an Land schaffen lassen. Der Kutscher und Mac Pellew stachen das erste Faß an, und der dunkelrote Wein lief in die Mucks und Becher, die herumgereicht wurden.

Hasard hob seine Muck. „Auf das Wohl des Bundes der Korsaren!“

„Auf unseren Bund!“ riefen die Männer im Chor.

„Und auf den Nachwuchs!“ rief Jean Ribault.

„Auf den Nachwuchs!“ ertönte es. Und dann riefen alle: „Prost!“

Renke Eggens, Oliver O’Brien, Jean Ribault, Old O’Flynn und Don Juan de Alcazar schilderten nun, was sich zugetragen hatte, als sie mit ihren Schiffen Great Abaco erreicht hatten. Hasard, Siri-Tong und der Wikinger sowie die Besatzungen der neu eingetroffenen Schiffe erfuhren, wie sich der Kampf gegen Mubaraks Horde abgespielt hatte, in allen Einzelheiten.

Danach war noch einmal die Rede vom O’Flynnschen Nachwuchs – und wie der Alte seinen „Rappel“ gekriegt hätte, als er von Mary über das freudige Ereignis aufgeklärt worden wäre.

„Plötzlich war er weg“, sagte Ribault. „Einfach auf und davon und spurlos verschwunden.“

„Ich fiel in ein Geisterloch“, erklärte Old O’Flynn mit dumpfer Stimme, und er berichtete, wie er Bekanntschaft mit der Tropfsteinhöhle geschlossen hätte. Danach war wieder Ribault an der Reihe. Er erzählte, wie sie den Alten wiedergefunden hätten. Als letztes war dann die Schilderung fällig, wie es in dem Höhlenlabyrinth aussah.

„Auch das ist wichtig für uns“, sagte der Seewolf. „Ihr habt ganze Arbeit geleistet.“

„Die Höhle wäre also als Versteck für die Schatzbeute geeignet?“ fragte Don Juan.

„Gewiß“, erwiderte Hasard. Er blickte zu Siri-Tong und Thorfin Njal. „Was haltet ihr davon?“

„Wir werden uns die Höhle ansehen“, entgegnete die Rote Korsarin. „Aber nach allem, was ich vernommen habe, scheint sie als Schatzlager der ideale Platz zu sein.“

„Abgesehen von dem Knochenmann“, sagte Old O’Flynn. „Vor dem habe ich euch gewarnt.“

Carberry grinste. „Bleib ganz ruhig. Heute nacht steigt er noch nicht aus der Erde. Aber vielleicht morgen, und dann werden wir hören, wie seine Knochen klappern.“

„Weißt du, daß du ein Witzbold bist?“ zischte der Alte.

„Ich weiß, Donegal.“

Old O’Flynn wußte so schnell nicht, was er darauf erwidern sollte. Hasard nutzte die Gelegenheit und ergriff erneut das Wort. „Aber ich bin nicht nur von der Tropfsteinhöhle angetan. Mir gefällt auch die Bucht. Ich will damit sagen – der Platz erscheint mir gut für einen Neuanfang.“

„Ganz meine Meinung“, sagte der Wikinger. „Hier haben wir doch alles, was wir brauchen. Eine Bucht, die außer uns keiner findet, und eine Grotte, in die wir die gesammelten Schätze verfrachten können.“

„Gibt es auch Trinkwasser?“ fragte Siri-Tong.

„Eine Quelle“, erwiderte Jean Ribault. „Sie ist gar nicht weit von hier entfernt.“

„Aber das Proviantproblem müßte gelöst werden“, gab Pater David zu bedenken. „Mehr als Fisch, Kokosnüsse und ein paar Papayas gibt es hier sicherlich nicht.“

„Wir werden uns damit noch befassen“, sagte der Seewolf. „Also, wir sind uns einig: Great Abaco ist unsere Insel, die Cherokee Bay unsere Bucht. Hat jemand Einwände?“

Niemand meldete sich zu Wort. „Trotzdem schlage ich vor, die Inseln und Keys um Abaco genau zu erkunden und weiter Ausschau zu halten“, fuhr Hasard fort. „Die Schlangen-Insel hat uns einiges an Erfahrung gelehrt. Wir müssen uns die Möglichkeit schaffen, bei Gefahr im Verzug auszuweichen. Ich will auf jeden Fall beweglich sein.“

„Richtig“, sagte die Rote Korsarin. „Und dieses Mal dürfen uns keine Fehler unterlaufen.“

„Welche Fehler haben wir denn gemacht?“ fragte Ramsgate. „Ja, ich gebe zu, die Schlangen-Insel hatte ein paar Nachteile. Aber die positiven Seiten überwogen.“

„Es soll aber nicht noch einmal passieren, daß wir in der Falle sitzen“, führte Hasard weiter aus. „Das war im gewissen Sinne bei der Schlangen-Insel der kritische Punkt. Dort waren dem Ein- oder Auslaufen unserer Schiffe wegen des Mahlstroms Schranken gesetzt. Und der Zugang durch den Felsendom konnte vom Gegner blockiert werden.“

Er schwieg. Niemand erwiderte etwas auf seine letzten Worte. Es herrschte eine nahezu andächtige Stille. Alle dachten an die Schlangen-Insel und Coral Island, an das Ende von Arkana, Shawano und deren Stammesbrüdern und -schwestern. Zu kurz war die Zeit, die verstrichen war, seitdem der Vulkanausbruch die Schlangen-Insel in die Luft gesprengt und Coral Island hatte untergehen müssen.

Obwohl sich Hasard und die Männer Mühe gaben, darüber hinwegzukommen, hatten sie immer noch Schwierigkeiten, das zu verkraften, was geschehen war. Doch allen war bewußt, daß sie es irgendwie verarbeiten mußten. Nichts ließ sich rückgängig machen. Man mußte die Tatsachen so hinnehmen, wie sie waren. Jeder mußte die Vergangenheit auf seine Art bewältigen.

Hasard sprach weiter. „Wir müssen selbst entscheiden können, ob wir einen Angriff annehmen oder nicht“, sagte er. „Die Entscheidungsfreiheit aber bedingt wiederum Rückzugsmöglichkeiten.“

„Sehr richtig“, stimmte die Rote Korsarin ihm zu. „Aber die muß man erst mal kennen.“

„Beziehungsweise in Erfahrung bringen, ob es solche Rückzugsmöglichkeiten überhaupt gibt“, fügte Jean Ribault hinzu.

„Ja“, sagte der Seewolf. „Unter Rückzug verstehe ich zum Beispiel die Möglichkeit, einen Gegner auf Korallenbänke zu locken. Daher müssen wir unsere Umgebung ganz genau erkunden. Ich meine damit die Inselwelt von den Grand Keys oben im Norden über Grand Bahama, Andros, Babuca, also New Providence, bis hinüber nach Guateao.“

„Eleuthera“, sagte Ribault. „Es lohnt sich bestimmt, die Inseln abzuforschen. Meiner Ansicht nach gibt es dort viele Versteckmöglichkeiten, aber auch Riffs und Sandbänke.“

„Bei der Erkundung müssen Karten angefertigt und Lotungen vorgenommen werden“, sagte der Seewolf. „Weiter: Wo befinden sich eventuell versteckte Buchten, wo gefährliche Korallenbänke? Auf welcher Insel gibt es Trinkwasserquellen? Wo sind gefährliche Strömungen?“

„Und so weiter und so fort“, sagte der Wikinger mit seiner grollenden Baßstimme. „Auch das Proviantproblem muß irgendwie geregelt werden. Wovon sollen wir uns ernähren?“

„Coral Island ist ebenfalls ein großer Verlust für uns“, sagte Hasard. „Dort haben die Timucuas Ackerbau betrieben und die Schlangen-Insel mit ihren Produkten versorgt.“

„Vielleicht ist auf einer der umliegenden Inseln der Boden fruchtbar genug“, sagte Mary O’Flynn. „Mal sehen, ob wir dort ein paar Gemüsefelder anlegen können.“

„Und wer soll die bestellen?“ fragte Old O’Flynn brummig. „Und das Unkraut jäten?“

„Du bestimmt nicht, du alter Faulpelz“, antwortete sie, aber es klang eher gutmütig, also erhob der Alte auch keine weiteren Einwände.

Hasard lächelte. „Donegal, dir fallen andere Aufgaben zu. Weil sich die ‚Empress‘ bewährt hat, schlage ich vor, daß Hesekiel und seine Mannen an den beschleunigten Bau von zwei oder drei Schiffen dieses Typs gehen – wobei du ihnen mit Ratschlägen zur Seite stehst. Schließlich hast du die ‚Empress‘ zur Genüge ausprobiert und weißt, auf was es ankommt. Auch Verbesserungen lassen sich bestimmt durchführen.“

„Ein paar Kleinigkeiten“, erwiderte Old O’Flynn.

„Und die ‚Empress‘ wird auch zu den Schiffen gehören, die die Nachbarinseln erkunden“, sagte der Seewolf.

Das war Musik in Old O’Flynns Ohren. Er setzte sich auf und trank schnell noch einen Schluck von dem ausgezeichnet schmeckenden Rotwein. Dann grinste er. „Das laß ich mir gefallen. Endlich gibt es wieder was Ordentliches zu tun. Wann geht’s los?“

„Morgen“, antwortete Hasard. „Aber jetzt noch mal zurück zur ‚Empress‘. Hesekiel, was hältst du von meinem Vorschlag?“

„Ich halte ihn für eine gute Idee. Und Holzprobleme haben wir ja nicht.“ Ramsgate grinste ebenfalls. „Wie gut, daß wir uns in Havanna schon mal reichlich eingedeckt haben. Wir können gleich anfangen – sobald wir eine kleine Werft errichtet haben. Ja, ich halte die ‚Empress‘ für den idealen Schiffstyp in dieser Gegend. Sie hat nur geringen Tiefgang und ist daher bestens geeignet für die flacheren Gewässer zwischen den Inseln und Keys.“

„Natürlich brauchen wir auch Unterkünfte“, sagte der Seewolf. „Aber für den Hüttenbau sollten wir das Schiffbauholz nicht verschwenden. Wie beurteilt ihr die Bäume auf Great Abaco? Taugen sie was?“

„Sicher“, erwiderte Ramsgate. „Sieh dir doch mal die Abakoskiefern an. Das ist ein prächtiges Hölzchen, eignet sich sogar für den Schiffbau.“

„Und auch die Sumpfzypressen sind nicht schlecht“, fügte Mulligan hinzu. „Und Pinien habe ich auch entdeckt. Gute Balken lassen sich daraus anfertigen.“

Ferris Tucker sagte: „Schilf und Rohr für das Abdecken der Hüttendächer sind auch reichlich vorhanden, schätze ich.“

„Ja, das stimmt“, erwiderte Mulligan. „Und es schadet dem Inseldschungel nicht, wenn er ein bißchen abgeholzt wird.“

„Nur auf der Halbinsel müssen wir aufpassen“, warf O’Brien ein. „Dort sollten wir nach Möglichkeit keinen Baum fällen, wegen der Deckung.“

„Auch das ist klar“, sagte der Seewolf. „Aber immerhin scheint an Baumaterialien kein Mangel zu bestehen – was für uns fast genauso wichtig wie die Nahrungsfrage ist.“

„Arbeit über Arbeit also“, sagte Carberry. „Na gut. Da rosten die Muskeln wenigstens nicht ein. Aber was wird mit der Rutsche?“

„Die Rutsche ist bereits entdeckt“, entgegnete Ribault lachend. „Sie führt von dem versteckten Höhlenloch runter in die Tropfsteinhöhle, und Donegal hat sie als erster ausprobiert.“

„Er meint was anderes“, sagte Old O’Brien mit schiefem Blick. „Er meint meine neue Kneipe, in der Bier und Wein in Bächen fließen werden und Mary wieder ihr Calaloo herrichten wird – äh, soweit die Schwangerschaft es zuläßt.“

„Mach dir darüber keine Sorgen“, sagte Mary. „Calaloo bereite ich auch noch, wenn ich im neunten Monat bin.“

„Etwas anderes“, sagte Renke Eggens. „Wir müssen auch Arne über den neuen Standort in Kenntnis setzen.“

„Aber wie?“ fragte Hein Ropers. „Die Brieftaubenpost funktioniert ja nicht mehr.“

Hasard sann darüber nach. Wie sollte man Arne von Manteuffel am besten verständigen? Er saß in Havanna und wußte von nichts. Ihm war lediglich bekannt, daß sich die „Wappen von Kolberg“ und die „Pommern“ vor Great Abaco mit den anderen Schiffen treffen sollten. Es gab nur einen Weg, ihn zu unterrichten: Eins der Schiffe mußte nach Havanna auslaufen. Aber welches?

5.

„Es ist wichtig, daß Arne so schnell wie möglich von unseren neuesten Entscheidungen erfährt“, sagte der Seewolf. „Erstens hat er ein Recht darauf, zweitens sollte Jussuf die Brieftauben auf die neue Flugroute eintrimmen können – Nordosten-zum-Osten beziehungsweise Südwesten-zum-Westen. Also müssen wir ein Schiff nach Havanna schicken.“

„Aber doch nicht die ‚Wappen‘ oder die ‚Pommern‘“, sagte Oliver O’Brien. „Wie sollen wir den Dons erklären, daß eine unserer beiden Galeonen umkehren mußte?“

„Sie würden sofort mißtrauisch werden“, erwiderte Hasard. „Die ‚Wappen‘ und die ‚Pommern‘ scheiden also aus.“

„Und die anderen Schiffe auch“, sagte der Wikinger. „Wenn wir mit denen im Hafen von Havanna aufkreuzen, gibt es Mord und Totschlag.“

„Das stimmt nicht ganz“, widersprach Jean Ribault. „Ich meine, die ‚Golden Hen‘ kennen die Hafenbehörden von Havanna nicht. Wir könnten sie also als deutsches Handelsschiff ‚klarieren‘, nicht wahr?“

„Daran habe auch ich gedacht“, sagte der Seewolf. „Die Karavelle wird unter den beiden Flaggen segeln, die auch die ‚Wappen‘ und die ‚Pommern‘ bisher in Havanna gezeigt haben.“

„Im Topp des Großmastes also die Flagge mit dem roten Greif auf silbernem Feld“, sagte Renke Eggens. „Das Wappen Pommerns. Und an der Besanrute die Flagge von Kolberg mit der Bischofsmütze, den drei Stadttürmen und den beiden Schwänen. Ja, so getarnt geht die ‚Hen‘ bestimmt als deutsches Schiff durch.“

„Auch mit den Hühnern an Bord“, sagte Mac Pellew plötzlich.

Alle sahen ihn betroffen und ratlos an. „Was haben denn die Hühner damit zu tun?“ fragte Blacky.

„Na, es sind doch spanische Hühner. Und sie legen goldene Eier. Aber man braucht sie den Dons ja nicht zu zeigen“, sagte Mac.

„Mac“, sagte der Profos. „Weißt du, was du von mir aus mit den dämlichen Hennen machen kannst?“

„Ich weiß es“, antwortete Mac mit todtraurigem Gesicht. „Aber wenn sie als Suppenhühner in den Kochtopf wandern, legen sie keine Eier mehr, keine gol…“

„He!“ fuhr Eric Winlow dazwischen. „Da habe ich ja wohl ein Wörtchen mitzureden!“

„Wenn man sie nicht mit Goldkrümeln füttert, legen sie auch keine goldenen Eier“, sagte der Profos barsch. „Hast du das vergessen, Mac?“

„Ja“, gab Mac zu. „Daran habe ich gar nicht mehr gedacht.“

„Sie legen ganz normale Eier“, sagte Winlow aufgebracht. „Aber es sind erstklassige Eier. Gute Ware. Schmecken hervorragend. Warum, zur Hölle, sollen wir den Viechern den Hals umdrehen? Außerdem gehören sie jetzt uns. Wir haben die ‚Hen‘ übernommen.“

„Eric, reg dich nicht auf“, sagte Ribault. „Die Hennen werden nicht geschlachtet. So, und nachdem das geklärt ist, sollten wir uns auch darüber unterhalten, mit welcher Besatzung die ‚Golden Hen‘ nach Kuba segelt.“

„Ich habe folgenden Vorschlag“, sagte der Seewolf. „Renke Eggens und fünf Mann der deutschen ‚Wappen‘-Crew werden deine Crew vervollständigen, Jean. Renke wird auf dem Kurs nach Havanna als Navigator eingesetzt. Bist du damit einverstanden?“

„Ja, bin ich.“

„Renke?“

„Der Vorschlag ist richtig“, erwiderte Renke. „Und fünf Mann, mit mir sechs, dürften genügen, um die Dons davon zu überzeugen, daß die ganze Mannschaft aus echten Deutschen besteht.“

„Oliver?“ fragte der Seewolf.

„Ich gebe euch gern meine besten Leute mit“, antwortete O’Brien. „Wichtig ist, daß die ‚Golden Hen‘ so schnell wie möglich ausläuft.“

„Morgen früh“, sagte Hasard. „So, und jetzt stimmen wir noch mal über alle Vorschläge ab, die ich euch gemacht habe.“

„Warum abstimmen?“ fragte der Wikinger. „Wir sind uns doch alle einig.“

„Vielleicht hat jemand Gegenvorschläge zu unterbreiten, die besser sind“, sagte Hasard. „Ich bin schließlich nicht unfehlbar. Also? Siri-Tong?“

„Ich bin mit allem einverstanden“, entgegnete die Rote Korsarin. „Mit der Wahl der Insel, dem Bau der Schiffe und Hütten und dem Rest. Wir müssen nur zusehen, daß wir alles gleichzeitig betreiben.“

„Ja“, sagte Barba, ihr Steuermann. „Aber wir sind ja genug Kerle, und ans Zupacken sind wir auch gewöhnt.“ Er grinste und leerte seinen Becher. Dann stand er auf und ging zu dem zweiten Weinfaß, das inzwischen angestochen worden war, um ihn wieder zu füllen.

Hasards Vorschläge wurden einstimmig angenommen – und allmählich verblaßte das Geschehen mit dem Untergang der Schlangen-Insel, dem Verschwinden von Coral Island und ihrer Bewohner. Es gab eine Menge zu tun.

Am nächsten Morgen, dem 25. April 1595, begab sich die Crew Jean Ribaults, verstärkt von Renke Eggens und fünf deutschen Seeleuten der „Wappen von Kolberg“, an Bord der „Golden Hen“. Es wurden nur noch wenige Worte gewechselt. Was besprochen werden mußte, war geregelt. Ribault ließ den Anker lichten und die Segel setzen, und die „Golden Hen“ ging in See. Der Abschied von den Kameraden, die auf Great Abaco zurückblieben, fiel nur kurz aus. Jeder widmete sich der Tätigkeit, die ihm zufiel – es wurde ein arbeitsreicher Tag.

Ray Hoback hatte an diesem frühen Morgen den Ausguckposten im „Kiefern-Nest“ übernommen. Er blickte der „Golden Hen“ nach, bis sie sich seinem Blick entzog, und dachte noch: Viel Glück, Freunde, und auf ein baldiges Wiedersehen! Dann begann er, mit dem Spektiv systematisch die Kimm abzuforschen. Doch den ganzen Tag über und auch in den nächsten Tagen zeigte sich kein fremdes Schiff. Alles blieb ruhig. Der Bund der Korsaren konnte seine neuen Pläne ungestört in die Tat umsetzen.

Jean Ribault nahm mit der „Golden Hen“ Kurs auf Havanna. Er wollte durch die Providence-Straße – den Nordwest-Providence-Kanal – westwärts entlang der Großen-Bahama-Bank segeln und erst in der Florida-Straße auf südlichen Kurs gehen. Bei der Rückkehr würde es dann seine Aufgabe sein, eine Direktroute über die Große-Bahama-Bank auszuloten – jene Route, die später auch die Brieftauben auf der NOzO-SWzW-Achse und umgekehrt fliegen würden, wenn sie die Nachrichten überbrachten. Es würde Jussufs Auftrag sein, seine gefiederten Lieblinge auf den neuen Kurs „einzutrimmen“.

Die Schatzbeute der Flores-Caspicara-Bande war auf Great Abaco zurückgeblieben. Kisten und Truhen voll Gold, Goldschmuck und Diamanten, die am Strand der Cherokee-Bucht lagerten, hinzu kam die Beute von der „Caribian Queen“, die jetzt ebenfalls in dem neuen Versteck verstaut werden konnte.

Old O’Flynn zeigte den Freunden die Tropfsteinhöhle. Auch auf Hasard verfehlte der unterirdische Irrgarten seine Wirkung nicht. Er war beeindruckt. Old O’Flynns Hinweise hingegen, der „Knochenkerl“, der in der einen Seitenhöhle lag, könne irgendwann zu wandeln und zu spuken beginnen, ließen ihn kalt. Diese Art von Prophezeiungen kannte er von Donegal ja zur Genüge.

Siri-Tong übernahm es mit ihrer Crew, die Schatzbeute in die Tropfsteinhöhle zu verfrachten. Zügig wurden die Kisten und Truhen vom Strand der Bucht abgeräumt und fortgetragen. Mit Tauen fierten sie die Kisten in das Einstiegsloch der Höhle ab, und unten standen Männer bereit, um die Ladung in Empfang zu nehmen.

Hasard und die Rote Korsarin hatten einige trockene Nebenhöhlen als Lagerplatz für ihre Reichtümer ausgewählt. Hier wurden die Güter gestapelt – vorsichtshalber auf Hölzern, die sie von unten her gegen Feuchtigkeit schützen sollten.

An der Cherokee-Bucht begannen Hesekiel Ramsgate und dessen Männer unterdessen mit dem Ausbau einer kleinen Werft. Zunächst wurden die Hölzer, die sich in den Laderäumen der „Wappen von Kolberg“ und der „Pommern“ befanden, gelöscht und an Land geschafft, dann auch die Bedarfsgüter für den Schiffbau wie Werkzeuge, Nägel, Leim, Pech, Teer, Werg, Taue und Segeltuch.

Die Männer errichteten Schutzdächer, unter denen das Material vor Feuchtigkeit und Regen sicher lag, dann erst fingen sie an, die Fundamente der Werft zu bauen. Ramsgate hatte eine Zeichnung angefertigt, nach der sie zügig konstruieren konnten.

Mulligan ging mit einem anderen Trupp Männern an die Errichtung der Hütten am Ostende der Cherokee-Bucht. Zunächst zogen sie mit Äxten und Beilen, Sägen, Keilen und Vorschlaghämmern ins Inselinnere und schlugen Kiefern, Zypressen und Pinien. Sie befreiten sie von Ästen und Zweigen, transportierten sie zur Bucht und rammten die halbierten Stämme tief in den Grund. Sie würden als Halt für die Querbalken der Hüttenwände dienen.

Es waren recht zeitraubende Arbeiten, über denen der Vormittag schnell verstrich. Zur selben Zeit bereiteten sich auch die „Patrouillen“-Crews, deren Aufgabe die Erkundung der umliegenden Inselwelt war, auf ihre Fahrten vor.

„Wir laufen mit drei Schiffen aus“, sagte Hasard. „Mit der ‚Empress‘, der ‚Isabella‘ und dem Schwarzen Segler. Die ‚Isabella‘ und der Schwarze Segler werden nach Norden und Nordwesten erkunden. Donegal, du segelst hinunter zu den Andros-Inseln und nach Eleuthera.“

Der Wikinger und Old O’Flynn, die bei ihm am Wasser standen, nickten. Dann aber fragte der Alte: „Und was wird mit Mary? Soll ich sie mitnehmen? Bei ihrem Zustand?“

„Nein“, erwiderte der Seewolf. „Mary, Gotlinde und Gunnhild bleiben hier, beim neuen Stützpunkt. Sie werden die Männer versorgen und bekochen.“

„Das ist auch besser so“, sagte Thorfin Njal. „Wir wissen ja nicht, wem wir unterwegs begegnen. Es könnte Ärger mit Spaniern, Piraten oder Kannibalen geben.“

„Mit Kannibalen wohl am allerwenigsten“, sagte der Seewolf grinsend. „Aber wir müssen selbstverständlich immer auf alles gefaßt und vorbereitet sein.“

Don Juan de Alcazar war – logischerweise – nicht mehr an Bord der „Golden Hen“. Die Gefahr, in Havanna an Bord der Karavelle entdeckt zu werden, war viel zu groß. Don Juan half beim Bau der Hütten mit. Er blickte überrascht auf, als Hasard, Thorfin Njal und Old O’Flynn zu ihm traten.

„Juan“, sagte Hasard. „Ich möchte dich darum bitten, mit an Bord der ‚Isabella‘ zu kommen. Ich hoffe, du hast nichts dagegen.“

„Dagegen?“ Der Spanier lachte. „Ich bin froh darüber. Es interessiert mich ja selbst sehr, wie die anderen Inseln aussehen.“

„Gut.“ Hasard bedeutete ihm, ihn zu begleiten, dann versammelte er die Mitglieder seiner Crew, die sich an Land befand, in unmittelbarer Nähe der Werft.

„Ed“, sagte er. „Du gehst mit an Bord der ‚Empress‘. Donegals Crew ist zu klein, eigentlich hat er ja nur Martin Correa als festen Bootsmann. Die Frauen bleiben hier.“

„Aye, Sir“, erwiderte der Profos. „Wie wär’s, wenn wir auch die Zwillinge mitnehmen?“

„Daran habe ich auch schon gedacht“, entgegnete der Seewolf. „Also, Donegal, du nimmst Ed und die Zwillinge mit – außerdem den Kutscher, Nils Larsen und Sven Nyberg. Ist dir das recht?“

„Und ob“, erwiderte der Alte. „Das gibt eine feine Crew ab.“

„Nicht so voreilig“, erklärte Carberry. „Sag das nicht zu früh.“ Er setzte ein gleichsam teuflisches Grinsen auf.

„Fünf Mann als Verstärkung genügen mir“, sagte der Alte, ohne auf die Bemerkung einzugehen.

„Sechs Mann“, berichtigte Hasard junior, der mit seinem Bruder Philip junior hinzugetreten war. Aber sie wußten beide schon, was jetzt folgte.

„Ihr Burschen zählt nur als ein Mann“, brummte der Alte.

„Donegal, du solltest dich daran gewöhnen, daß sie jetzt erwachsen sind“, sagte Hasard.

„Die Kerlchen? Daß ich nicht lache!“

„Wir werden dir schon beweisen, was wir können“, sagte Philip junior. „Ich merke schon, du hast eine völlig falsche Meinung von uns.“

„Im Moment meine ich nur, daß ihr verdammt kiebig seid“, sagte Old O’Flynn.

Hasard unterbrach die Diskussion, indem er zum Aufbruch drängte. Wenig später begaben sich die Crews an Bord der Schiffe. Es blieb dabei nicht aus, daß Sir John, der karmesinrote Aracanga, und Plymmie, die Wolfshündin, mit an Bord der „Empress of Sea II.“ genommen wurden – ein Umstand, an den Old O’Flynn allerdings nicht gedacht hatte.

„Auch das noch“, sagte er mit gallebitterer Miene. „Jetzt haben wir das ganze Viehzeug an Bord.“

„Magst du meinen Sir John nicht?“ fragte Carberry drohend.

„Weiß ich nicht, hab’ ihn ja noch nicht probiert“, erwiderte der Alte frostig.

Plymmie setzte sich neben ihm auf die Planken der „Empress“ und blickte fragend zu ihm auf. Sie gab einen leisen, winselnden Laut von sich, dann stupste sie ihn mit ihrer Nase an.

„Na ja“, brummte Old O’Flynn. „Ist ja schon gut. Meinetwegen. Wir werden uns schon verstehen.“

An Bord der „Isabella IX.“, des Schwarzen Seglers und der „Empress of Sea II.“ wurden alle Vorkehrungen für das bevorstehende Auslaufen getroffen. Gegen Mittag gingen die Schiffe in See. Zurück blieben die „Caribian Queen“, die „Wappen von Kolberg“ und die „Pommern“.

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