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Die negative Kehrseite unseres chemischen Belohnungssystems
Unser Belohnungssystem und die Chemie, die süchtig macht

Unser Belohnungssystem ist äußerst komplex. Viele Hormone und Botenstoffe spielen eine Rolle, wenn es um gute Gefühle und Tatendrang geht. Darunter sind die bekannten Beteiligten: Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Endorphine. Natürlich ist das alles ein wenig komplizierter als nur das Zusammenspiel von 4 Stoffen. Deshalb spricht man in der Psychologie von einem Belohnungssystem. Das ist das ständige Streben nach Belohnung, welche uns einen chemischen Cocktail beschert. Entweder in uns selbst, oder durch die Zuführung von Stoffen. Ein selbsterlegtes Stück Fleisch, aufregende sexuelle Erlebnisse oder das Lob vom Chef erzeugen in uns ein gutes Gefühl. Das Streben danach ist durchaus positiv, denn es erhält uns am Leben (Nahrung besorgen), es sichert unseren Fortbestand (die Sache mit dem Storch) und sichert unsere Existenz. Denn ein zufriedener Chef schmeißt uns nicht raus. Demzufolge sind das Verlangen und die Aussicht auf Belohnung unser Motivator.

Die negative Kehrseite unseres chemischen Belohnungssystems

Sind wir glücklich, dann hat unser Gehirn folgenden Auftrag zu erfüllen: „Schütte Endorphine aus und mach, dass ich mich gut fühle!“. Nun haben Forscher aber herausgefunden, dass genau diese Stoffe, die uns so ein schönes Gefühl machen, auch dann ausgeschüttet werden, wenn wir Drogen konsumieren oder am Glücksspiel teilnehmen. In dem Moment ist unsere Motivation zum Handeln bei Weitem nicht mehr so positiv und wir bekommen ein Problem.

Die Entdeckung des Belohnungssystems war ein Fehler im System

Alles begann damit, dass Elektroden in ein bestimmtes Areal im Gehirn von Ratten eingesetzt wurden. Bei einer Ratte wurde die Elektrode allerdings in ein falsches Areal eingesetzt, weswegen die Forscher das Belohnungssystem entdeckten.

In einer sogenannten Skinner-Box befand sich ein kleiner Hebel, den eine Ratte drücken konnte, um einen elektrischen Reiz durch die Elektrode in das Gehirn zu erhalten. Aufgrund der Häufigkeit der Hebelbetätigung kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein angenehmes Gefühl handelt, welches durch die Elektrode erzeugt wurde. Die Forscher staunten nicht schlecht, denn die Ratten waren die ganze Zeit damit beschäftigt den Hebel zu drücken und damit einen elektrischen Reiz zu erhalten. Dadurch vergaßen die Tiere sogar das Futter, welches ihnen ebenso im Käfig angeboten wurde. Das ging so weit, dass die Tiere zusammenbrachen, weil sie das Trinken vergaßen.

Das limbische System und der Nucleus accumbens

Unser Belohnungssystem steckt im sogenannten limbischen System. Um das limbische System zu aktivieren, braucht es einen Reiz von außen. Dieser kann z. B. ein Stück Schokolade sein. Sobald der Reiz (Anblick des Stücks Schokolade) auf das limbische System wirkt, wird daraufhin ein Drang generiert, sodass die Großhirnrinde das Verlangen erfasst. Erst wenn dem Verlangen nachgegeben wird, gibt es ein komplexes Zusammenspiel in unserem Hirn. Zusammen mit dem Neurotransmitter Dopamin wird das Hirnareal Nucleus accumbens stimuliert. In diesem Areal sitzt unser Belohnungssystem. Die stimulierte Hirnregion nucleus accumbens sendet nun einen Cocktail von Botenstoffen aus, der in anderen Arealen des Gehirns die Empfindung von Freude und Zufriedenheit auslöst. Insgesamt lässt sich sagen, dass das gesamte Belohnungssystem ein sehr komplexes Gefüge ist, welches hier nur in groben Ausschnitten wiedergegeben wird.

Dopamin allein macht nicht glücklich - Belohnungssystem heißt mehr

Die Forscher machten eine weitere interessante Entdeckung: Das Dopamin selbst ist nicht der Stoff, der das freudige Glückserlebnis im Gehirn auslöst. Es ist lediglich Teil des Systems. Demzufolge ist nicht die Schokolade selbst der Auslöser für die Glücksgefühle, sondern die Erwartung, dass die Befriedigung des Verlangens nach der Süßigkeit die Freude auslöst. Das bedeutet, dass das Glücksgefühl bei der Befriedigung des Verlangens nicht durch Dopamin ausgelöst wird, sondern von verschiedenen Endorphinen und anderen Botenstoffen. Zu nennen ist dabei das Oxytocin. Dieses Hormon wird auch Kuschelhormon genannt und wird überwiegend bei Berührung ausgeschüttet. Es fördert so die zwischenmenschlichen Bindungen. Allerdings ist der gesamte Wirkmechanismus derzeit noch nicht vollständig erforscht.

Das Belohnungssystem in unserem Gehirn kann durch viele verschiedene Reize stimuliert werden. In der Regel ist zwischen Anblick, Verlangen und Befriedigung des Verlangens ein weiter, langer und komplizierter Weg von chemischen und elektrischen Signalen. Allerdings lässt sich diese Kette auch abkürzen. Drogen greifen viel eher ein und aktivieren die Zellen im Nucleus accumbens länger und intensiver. Aus diesem Grund sind Drogen oder auch Glücksspiele ein sehr, sehr starker Motivator.

Dopamin spielt eine Rolle bei Suchterkrankungen

Dopamin selbst löst keine Suchtprobleme aus. Allerdings spielt es im Wirkprofil von Drogen wie Kokain eine Rolle. Denn diese Drogen unterbinden die Wiederaufnahme des Botenstoffs in die Nervenzelle und fungieren damit als Dopamin-Wiederaufnahmehemmer. Problematisch wird es nach dem Konsum, denn dann wird das angesammelte Dopamin in größerer Menge aufgenommen, womit die Wirkung wesentlich größer ist. Man kann sich gut vorstellen was passiert, wenn ein Stoff, der direkt das Belohnungssystem aktiviert in höherer Menge wirkt. Das ist ein intensives Glücksgefühl. Klar, dass sich dieser Zustand wiederholen soll. Besonders die Tatsache, dass die heftige und positive Wirkung schnell wieder vorbei ist, lässt die nächste Stufe klarer werden: der Rutsch in die Psychose. „Wenn doch Drogen helfen das Belohnungssystem zu aktivieren, dann her damit! Das war doch so schön!"... Und genau ab diesem Zeitpunkt kommt der Teufelskreislauf in Gang.

Experimente zum Belohnungssystem zur Erklären der Suchtentstehung

Um die Suchtentstehung zu ergründen, führten Forscher in den 50er Jahren ebenfalls Experimente mit Ratten durch. Die Ratten konnten sich in einer Skinner-Box allein durch die Betätigung eines Hebels verschiedene Drogen wie Heroin, Kokain oder Amphetamin ins Blut spritzen. Ein anderer Hebel enthielt lediglich Salzlösung und ein dritter Hebel gab den Ratten das Futter. Relativ schnell legten sich die Ratten auf einen Hebel fest und ließen die beiden anderen außer Acht. Genutzt wurde der Hebel, der die Drogen injiziert. Es wurde gezeigt, dass die Tiere schnell ein süchtiges Verhalten entwickelt hatten. Denn sie verabreichten sich nur noch die Drogen und nahmen keine Nahrung und keine Flüssigkeit zu sich. Die Tiere starben an Unterernährung. In den folgenden Experimenten wurde der Nucleus accumbens der Versuchstiere beschädigt. Demzufolge konnten die Tiere während des Experiments auch keine Sucht entwickeln. In weiteren Experimenten wurden die Zellen der Tiere beschädigt, die sowieso nicht auf Dopamin reagierten. Auch diese Tiere wurden süchtig. So konnte nachgewiesen werden, dass der Botenstoff Dopamin maßgeblich an der Entwicklung von Süchten beteiligt ist.

Mit Dopamin-Neuronen die Entzugsproblematik erklären

Zusammen mit dem Leibniz-Instituts für Neurobiologie (LIN) haben Forscher herausgefunden, dass sowohl Beginn und Ende einer „Belohnungssituation“ durch ein und dasselbe Dopamin-Neuron vermittelt werden kann. Dieses Prinzip wurde in einem Kooperationsprojekt mit der Universität Konstanz, der Universität Leipzig und dem Janelia Research Campus aus den USA entdeckt. Wenn die selben Dopamin-Neuronen für das tolle Glücksgefühl am Anfang des Drogenkonsums und dem Tief danach verantwortlich sind, kann dies bedeutende Fortschritte in der Suchtforschung bedeuten. Damit könnte das schwierig zu lösende Problem der Entzugssymptomatik näher erforscht werden.

Im Hirnscanner leuchtet der Nucleus accumbens eines Kokainsüchtigen auf, wenn ihm ein Bild von Kokain gezeigt wird. Bei einem Spielsüchtigen ist dies der Fall, wenn ihm ein Bild eines Spielautomaten auch nur gezeigt wird. Dies zeigt, dass unser Belohnungssystem schon aktiv ist, wenn lediglich der Reiz (also ein Bild) auf das Gehirn einwirkt.

Beim Belohnungssystem dient das Dopamin als Kontrollinstanz beim Sattmachen

Forscher der Max-Planck-Gesellschaft haben nun untersucht, wie Dopamin unser Essverhalten reguliert. Studienteilnehmern wurden Milchshakes angeboten und die jeweilige Dopaminmenge bei der Aufnahme des Shakes und bei Erreichen des Magens ermittelt. So konnte gezeigt werden, dass Dopaminmoleküle schon dann ausgeschüttet werden, wenn der Milchshake im Mund der Teilnehmer war. Eine weitere Dopaminmenge wurde ausgeschüttet, sobald der Milchshake den Magen erreichte. Dabei stellte das Forscherteam den folgenden direkten Zusammenhang her:

Teilnehmer, die ein hohes Verlangen nach einem Milchshake hatten, produzierten eine höhere Menge an Dopamin, als diejenigen mit einem normalen Verlangen. Die Forscher fanden auch heraus, dass bei den Personen mit einem großen Verlangen nach einem Milchshake weniger Dopamin beim Erreichen des Magens ausgeschüttet wurde und damit die Rückmeldung „ich bin satt“ zu spät einsetzt oder gar nicht. In der Folge wird so lange weiter gegessen oder getrunken, bis die entsprechende Dopaminmenge endlich freigesetzt wird. Anzumerken ist, dass das Dopamin nicht im Magen entsteht, sondern im Belohnungssystem des Gehirns. Allerdings erfolgt eine Meldung vom Magen an das Gehirn: „Bitte liebes Hirn, schütte Dopamin aus!Weitere Informationen dazu, finden Sie auf den Seiten der Max-Planck-Gesellschaft.

Unser Belohnungssystem in der modernen Welt

In der heutigen, modernen Welt sind billiger Alkohol, preiswerte Zuckerprodukte und andere auf das Belohnungssystem wirkende Reize nicht mehr wegzudenken. Wenn es um das Glücksgefühl nach einer Belohnung geht, so ist dabei fast immer der Botenstoff Dopamin beteiligt. Es ist doch toll, wenn ein Kommentar auf Facebook ”geliked“ wird. Wenn jemand den Spruch oder das Bild im WhatsApp-Status gut findet... wenn eine neue Nachricht eintrifft und wildfremde Facebook-Freunde sich für den Online-Kumpel interessieren. Darüber freuen wir uns. Während virtuelle Kontakte das Belohnungssystem ankurbeln, kann die reale Welt dagegen sehr einsam sein. Zucker in Form von Chips und Schokolade ist ebenfalls nicht sehr kommunikativ. Alkohol und Drogen verschaffen also kurzzeitig ein tolles Gefühl, dieses flacht aber schnell sehr heftig wieder ab.

Spaß und Heiterkeit mit echten, realen Freunden sind anhaltend - Zucker und der WhatsApp-Status verschwinden!

Nachfolgend werden einige bekannte Vertreter der abhängig machenden Substanzen näher vorgestellt.

Welche Folgen entstehen durch den Konsum von Alkohol?
Alkoholkrank am Arbeitsplatz - Folgen von Alkohol am Arbeitsplatz

Alkohol am Arbeitsplatz ist ein riesiges Problem. Eigentlich handelt es sich um eine Form des Präsentismus. Präsentismus bedeutet, dass Beschäftige auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie erkrankt sind. Damit ist keine Bagatelle gemeint, sondern die Tatsache, dass der Anlass einer Krankschreibung gegeben wäre. Dies ist meist dann der Fall, wenn sich Personen erholen müssen, um gesund zu werden oder die Arbeitsleistung deutlich gemindert ist. Bei Suchtkranken, die unter dem Einfluss von Suchtmitteln zum Arbeitsplatz kommen, ist dies in der Regel der Fall. Entweder der Konsum findet vor Arbeitsbeginn oder am Arbeitsplatz selbst statt, oder es wurden Suchtmittel (z. B. Drogen) konsumiert, die eine lange Halbwertszeit aufweisen. Dadurch sind die Effekte noch mehrere Tage zu spüren.

Welche Folgen entstehen durch den Konsum von Alkohol?

Das Portfolio an Problemen ist groß. So entstehen Konflikte, Probleme und gesundheitliche Beschwerden. Diese wirken sich verschieden auf den Körper und das soziale bzw. berufliche Leben aus:

Alkoholabhängigkeit

Die Alkoholabhängigkeit ist weit verbreitet, denn alkoholische Getränke sind leicht zu beschaffen. Billig und in jedem Supermarkt. Welche Probleme durch den unkontrollierten Konsum entstehen, soll nun beschrieben werden. Vorher schauen wir uns die Ursachen an.

Ursachen der Alkoholabhängigkeit

Die Ursachen der Alkoholabhängigkeit sind vielschichtig. Es gibt dabei nicht "die Ursache", sondern das Resultat basiert auf ebenso vielen Gründen, wie es diverse Lebensumfelder gibt. Auf jeden Fall ist wichtig, dass eine Erkrankung kein Versagen der Betroffenen ist. Sie sind nicht unfähig, nicht wertlos und auch nicht dumm, denn Abhängigkeit ist kein Phänomen einer einzelnen Menschengruppe.

Wen kann die Alkoholabhängigkeit treffen?

Eine Alkoholabhängigkeit ist nicht auf einzelne soziale Schichten beschränkt, es kann den Hilfsarbeiter oder auch den Vorsitzenden der Vorstandsabteilung treffen. Es gibt keinen genetischen Hinweis darauf, dass eine Alkoholerkrankung vererbt werden kann.

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